Schlemmen vor der Fastenzeit

Mit Spannung wird in Island der Bolludagur erwartet. Endlich wieder süße Teigteilchen mit viel zu viel Sahne essen! Während die Isländer ihren Bolludagur feiern, feiern wir in Deutschland den Rosenmontag. In Island, im Jahre 1000 christianisiert, kennt man nämlich auch die Fastenzeit, und auch hier beginnt sie am Aschermittwoch. Der Tag heißt in Island Öskudagur. An den beiden voranliegenden Tagen wird daher nochmal so richtig geschlemmt.

Bolludagur

Der Bolludagur am Montag ist der beliebteste Feiertag einiger Isländer. Die luftigen Teigteilchen, vergleichbar mit Windbeuteln, nur größer, werden mit Sahne und Marmelade gefüllt und je nach Geschmack mit Schokoglasur oder Zimtglasur überzogen. Sie sind sehr süß, sehr klebrig und sehr süchtig machend. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Bollar so ein normaler Isländer vertilgen zu vermag. Eindeutig jahrelanges Training, ich selbst habe nur einen geschafft. Nur einen – jämmerlich. Traditionell muss man sich seinen Bollur erstmal verdienen, zumindest die Kinder. Dazu basteln die Kleinen eine Art Rute, mit der sie dann den Erwachsenen auf den Po hauen müssen. Wenn es ihnen gelingt, gibt’s zur Belohnung einen Bollur. Pro Poklapser einen Bollur. Da zeigt sich, dass das Training im Bolluressen schon in früh beginnt.

Sprengidagur

Am Tag darauf ist Sprengidagur. Das hat nichts mit Springen zu tun, sondern mit Platzen. Man isst soviel bis man platzt. So erklären es die Isländer heutzutage, aber der Name kommt wahrscheinlich vom deutschen “Sprengtag”. In katholischen Kirchen wurden die Kirchgänger mit Wasser bespritzt – diese Tradition ist im Mittelalter mit deutschen Bischöfen und Händlern auch nach Island gekommen. Heutzutage passt die erste Erklärung aber besser: Man isst am Sprengidagur traditionell ein deftiges Gericht mit gesalzenem Lammfleisch, Kartoffeln und Bohnen.

Öskudagur

Öskudagur ist ein Feiertag vor allem für die kleinen Isländer. Kinder kommen an diesem Tag verkleidet in die Schule. Es gibt kleine Aschesäckchen, die man mit kleinen Nadeln an die Kleidung der anderen pinnen muss. Dies geht auf die katholische Tradition zurück, an diesem Tag Asche über die Köpfe der Kirchgänger zu streuen. Am Öskudagur ziehen die Kinder außerdem durch die Geschäfte und bekommen Süßigkeiten ausgeteilt. In einigen Schulen schlagen die Kids mit einem Stock auf eine Art Piñata ein, die mit Süßigkeiten gefüllt ist.

 

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