Isländisches Kino

Das isländische Kino

Für nur 300000 Einwohner hat Island ziemlich viel Kino zu bieten. In Europa ist Island vor allem für den Film “101 Reykjavík” bekannt. Durch die allgemein wachsende Popularität Islands dürfte aber auch die Filmlandschaft vermehrt neugierig erkundet werden. Der schwarze Humor der Isländer, die Enge der Insel und die Dämonen, mit denen die Isländer zu kämpfen haben, prägen das isländische Kino. Die Filme sind selten leichte Kost und haben auch nur selten ein Happy End. Nichtsdestotrotz geben sie – wohl gerade dadurch – einen guten Einblick in die isländische Kultur.

Isländer über Isländer

Mit Þrestir, Albatross und Webcam kamen 2015 gleich drei Filme in die Kinos, die sich mit Coming-of-Age und Postadoleszenz beschäftigen. Damit treffen sie bei den heranwachsenden Isländern und den Isländern, die seit der Krise in der Postadoleszenz feststecken, den Zahn der Zeit.

Þrestir erzählt die Geschichte des 16-jährigen Ari, der von seiner Mutter in die Westfjorde geschickt wird. Vom Stadtleben in Reykjavík in die Provinz, dorthin, wo Ari seine Kindheit verbracht hat. Ari muss sich zurechtfinden mit seinem alkoholkranken Vater, mit seinen Freunden aus Kindheitstagen und mit sich selbst. Der Film zeichnet ein erschreckend realistisches Bild der Konflikte, mit denen die isländische Gesellschaft zu kämpfen hat. Alkoholismus, Missbrauch, Mangel an Werten. Þrestir ist harte Kost und gleichzeitig zart und hoffnungsvoll. Letzteres ist vor allem der Hauptfigur Ari zu verdanken, die von Schauspieltalent Atli Oskar Fjalarsson verkörpert wird.

Im Film Albatross geht es um einen jungen Mann aus Reykjavík, Tommi, der seiner Freundin für den Sommer in die Westfjorde folgt. Der Plan ist, den Sommer über zu arbeiten um Geld für den Herbst und Winter zu verdienen – damit Tommi in Reykjavík sein Masterstudium beginnen und das junge Paar dort eine Wohnung finanzieren kann. Doch dann verlässt die Freundin Tommi und er sieht sich konfrontiert mit seinem lausigen Sommerjob auf einem Golfplatz in Bolungarvík – und einer plötzlich nicht mehr so sicheren Zukunft.

In Webcam verdient sich Rósalind als Webcam-Mädchen Taschengeld. Es geht um Freundschaft, Sex und ein bisschen um Liebe. Der Film war vor allem bei jungen Isländern und Isländerinnen erfolgreich, die alle sehr feministisch sind und die sexuelle Lockerheit und Souveränität der Hauptdarstellerin feiern. Ein ehrlicher Film, der unkompliziert das komplizierte Leben menschlicher Beziehungen beschreibt.

Isländische Krimis

In Deutschland schmökern viele Leser mit Vorliebe isländische Krimis. Einer von ihnen wurde auch verfilmt: Arnaldur Indriðasons “Der Tote aus dem Nordermoor” ist 2006 von Baltasar Kormákur verfilmt worden. Der Regisseur hat schon den bekannten Film 101 Reykjavík gemacht – und auch jetzt, 2016, ist er zurück. Mit der Krimi/Thriller Serie “Trapped“. Die Serie spielt in einem kleinen, abgelegenen Ort im Süden Islands. Hier muss die Polizei ein Verbrechen lösen – während ein Sturm heranzieht und das Dorf von der Außenwelt abschneidet. Die Serie hat sehr positive Kritiken bekommen und kommt hoffentlich bald auch nach Deutschland.

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